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Das Kastanienwäldchen in Wernigerode

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Wernigeröder Kastanienwäldchen

Dieser Artikel führt Sie auf einen Spaziergang durch das Wernigeröder Kastanienwäldchen mit Fotografien aus allen Jahreszeiten. Als Ergänzung zu den Bildern habe ich noch einige Daten und historische Informationen zusammengetragen.

Meine Fotografien entstanden in den Jahren 2003 bis 2016. Die Reihenfolge der Bilder erfolgte jedoch nicht chronologisch, sondern nach Inhalt und dem Ablauf der Jahreszeiten. Sie wurden auf Mittelformat-Diafilm, Kleinbild-Negativfilm und mit verschiedenen Digitalkameras aufgenommen. Die meisten Bilder sind Schnappschüsse, die bei Spaziergängen entstanden sind. Einige Aufnahmen wurden auch geplant.

Die für diese Seite zusammengestellten Informationen stammen überwiegend aus Unterlagen der Harzbücherei Wernigerode. Falls jemand historisches Bildmaterial oder weitere Informationen mit gesicherten Quellen und Urheberrechten hat, würde ich mich darüber sehr freuen.


Einleitende Eindrücke

Die Bäume des Kastanienwäldchens sind weder besonders hoch, noch außergewöhnlich alt oder schön. Jemanden, der mit den monotonen Fichtenwäldern des Oberharzes aufgewachsen ist, beeindruckt das Wäldchen durch seine Andersartigkeit. Die Bäume, die eher im mediterranen Raum beheimatet sind, gehen verschwänderischer mit dem vorhandenen Licht als einheimische Gehölze um. Auf dem Waldboden entsteht nicht die in Nadelwäldern herrschende Dunkelheit. Beim Wachstum halten sich die Kastanien an keine Norm. Sie sind nicht lang und schlank, sondern verdreht, verschlungen und verbogen. Keiner der Bäume ähnelt einem anderen.

Viele der ursprünglichen Bäume des Kastanienwäldchens sind altersschwach und nahe an ihrem Lebensende angelangt. Etliche Bäume weisen starke Schädigungen und einen großen Totholzanteil auf. Stümpfe zeugen vom Ende eines Baumlebens. Auch dieser Umstand trägt zum besonderen Erscheinungsbild des Waldes bei.

Autor: , 20.10.2016
Letzte Änderung: 17.12.2017

Kastanienwäldchen Wernigerode
Das Wernigeröder Kastanienwäldchen im Herbst 2010.

Lage und Erreichbarkeit

Kastanienwäldchen bei Wernigerode

Karte als PDF-Datei zum ausdrucken.

Koordinaten des Wernigeröder Kastanienwäldchens (mittendrin) als KMZ-Datei für Google Earth oder andere Systeme. Was sind KMZ-Dateien?

Anmerkung: Auf älteren Karten wird der unterhalb des Kastanienwäldchens verlaufende Weg als Vossweg bezeichnet.

Das Kastanienwäldchen liegt oberhalb des Wernigeröder Wohngebiets Burgbreite am Nordhang des Vossbergs. Es wird im Norden von den Plattenbauten der Karl-Marx-Straße gesäumt und grenzt im Süden an eine Kleingartenanlage.

Der schönste Weg, um das Kastanienwäldchen zu erreichen, führt durch den Lustgarten. Wenn man diesen am östlichen Ende über den Vossweg verlässt, gelangt man nach ein paar Minuten in das Kastanienwäldchen. Es befindet sich von dichten Hecken umgeben, auf einer Terrasse am Nordhang des Berges.

Das Kastanienwäldchen lässt sich am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. An öffentlichen Verkehrsmitteln bietet sich die Standlinie an. Man kann mit den Bussen der Linien 3 und 4 an den Haltestellen Kopernikusstraße oder Burgbreite Ost aussteigen. Parkplätze sind am Lustgarten gegenüber des Marstalls vorhanden.


Informationen und Daten über das Wernigeröder Kastanienwäldchen

Kastanienwäldchen Dezembermorgen
Ein Dezembermorgen im Kastanienwäldchen. In der Dämmerung und an nebligen Tagen verwandeln sich die zahlreich vorhandenen Astlöcher in Augen, gestutzte Äste werden zu Nasen. Grimassen schneidend betrachten die alten Bäume den Vorübergehenden.

Das heutige Wäldchen wurde ursprünglich als Plantage mit ordentlich in Reihen gepflanzten Bäumen angelegt. Von allein neu gewachsene und nachgepflanzte Bäume halten sich oft nicht an das Raster der Baumveteranen. Hierdurch, durch Lücken fehlender Bäume und eine leichte Schlangenlinie im Weg entsteht eher ein natürlicher Eindruck.

Das Kastanienwäldchen bei Wernigerode soll das nördlichste zusammenhängende Edelkastaniengebiet Europas sein. Die Beweisführung, ob diese Aussage stimmt, gestaltet sich allerdings schwierig. Als Quelle habe ich nur einen Verweis auf einen Führer durch die "Stolberg- Wernigerödischen Forsten" gefunden [1]. Über diesen konnte ich aber nichts in Erfahrung bringen.

Ein Schild am Weg informiert darüber, dass das Kastanienwäldchen sich etwa über eine Fläche von 1,7 Hektar erstreckt und dieses ca. 185 Bäume beinhaltet. Die älteren Bäume sind zwischen 10 und 15 m hoch. 2002 wurde im Rahmen einer Diplomarbeit ein Baumkataster angelegt, in dem alle Bäume mit Dimensionen und Zustand erfasst wurden [2].

Der Ertrag an Esskastanien je Hektar soll früher jährlich zwischen 1000 und 1300 kg gelegen haben. In Rekordjahren sollen es bis zu 3000kg gewesen sein [1]. Umgerechnet entspricht dies einer möglichen Ernte von etwa 100 g Esskastanien auf einen Quadratmeter Waldfläche. Heute wird die Ausbeute sicherlich erheblich geringer ausfallen.


Geschichtliches

Die Anlage des Wernigeröder Kastanienwäldchens erfolgte vermutlich zusammen mit der des Schlossparks. Dem Alter der Bäume nach soll die ursprüngliche Bepflanzung in zwei Abschnitten erfolgt sein. Die ersten Pflanzungen wurden gegen 1730 von Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode beauftragt. Die Edelkastanienplantage wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch Pflanzung weiterer Bäume ergänzt. Damit haben die ältesten Bäume ein Alter von über 280 Jahren.

Das Kastanienwäldchen ging 1945 in den Besitz der Stadt Wernigerode über. Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts soll das Gehölz als Kastanienplantage seinen ursprünglichen Zweck gedient haben. Es wurde von Pächtern bewirtschaftet und die Kastanien lokal in Wernigerode verarbeitet und auf dem Markt verkauft. 1970 wurde das Kastanienwäldchen im damaligen Kreis Wernigerode zum Flächenkulturdenkmal erklärt.

In den 1980er Jahren entstanden durch Anregung von Dendrologen Pläne, das Kastanienwäldchen zu erhalten und zu rekonstruieren. Ab 1982 wurde die damals vorhandene Verbuschung beseitigt und junge Bäume nachgepflanzt.

Quelle Abs.1-3: [1].


Bilder aus dem Lauf der Jahreszeiten

Der Lebensrhythmus der Bäume scheint nicht ganz zum Verlauf der örtlichen Jahreszeiten zu passen. Wenn im Frühjahr andere Bäume bereits Laub tragen, zeigen sich erst Knospen. Im Herbst tragen sie ihre Blätter oft länger als einheimische Kastanien und die Früchte reifen später.

Frühlingsstimmung Kastanienwäldchen im Mai. Frühling im Kastanienwäldchen Knospen im Frühjahr Frisches Laub Laub mit Frost. Sommermittag 2009 Totholz als Lebensraum Abgestorbener Baum Rinde Baumhöhle Stamm mit Drehwuchs Seit 1970 geschützt Früchte Herbststimmmung Sommerabend Im April im Mai Anfang Oktober Sonnenuntergang im Kastanienwäldchen Oktober November Herbst im Märchenwald Erster Schnee Winter im Kastanienwäldchen Abendstimmung Der große Wurm Frühling
Bilder vom Wernigeröder Kastanienwäldchen im Lauf der Jahreszeiten.

Weitere Edelkastanien befinden sich an der Silbertannenwiese und am Blume-Weg unterhalb vom Schloss Wernigerode. Auch im Blankenburger Schlosspark sind einige Exemplare zu entdecken.


Literatur und Quellennachweis

nachts im Kastanienwäldchen
Nachts im Kastanienwäldchen. Ein Natrium beleuchteter Nachthimmel und Sternenspuren im März 2017.

Nachfolgen finden Sie die dem Text zugrunde liegenden Literaturquellen:

[1] "Das Kastanienwäldchen bei Wernigerode in historischer und landeskultureller Sicht"
Staatlicher Forstbetrieb Wernigerode, U. Wegner und Heiz Quitt
Erschienen in "Beiträge zur Gehölzkunde", 1985, S.65-67, Berlin
Abschrift der Harzbücherei Wernigerode
[2] Diplomarbeit "Lustgarten und Kastanienwäldchen in Wernigerode"
Christiane Seiler, Fachhochschule Erfurt, Fachbereich Landschaftsarchitektur, Juni 2002
Exemplar der Harzbücherei Wernigerode
[3] "Edel-Kastanien im Harz", Volker André Bouffier
Baumzeitung, Ausgabe 5 / 2013, Seite 22 – 25.
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